Der dicke Brocken des Tages

Die Methode "Der dicke Brocken des Tages" basiert auf einem Artikel von Christa Erichson, veröffentlicht im Jahr 2004 in der Zeitschrift "Grundschule Deutsch" (Link siehe unten). Hierbei handelt es sich um eine ritualisierte Methode, mit der die Lernenden ihr Rechtschreibgespür schärfen können.

Ablauf

Zu Beginn des Unterrichtstages bzw. der Deutschstunde diktiert man den Kindern ein vorher sorgfältig ausgewähltes Wort, den dicken Brocken des Tages. Dies kann in ein kleines DIN-A5-Heftchen, das "Brockenheft", geschehen, grundsätzlich reicht hier jedoch auch ein leerer Zettel oder das normale Deutschheft. Bei der Auswahl des Wortes sollte man darauf achten, dass dies ein oder mehrere Rechtschreibphänomene oder Stolperstellen enthält. Dies können einerseits bereits thematisierten Phänomene und Strategien sein, andererseits jedoch auch bisher nicht explizit erläuterte Rechtschreibbesonderheiten. Wörter, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit richtig geschrieben werden, eignen sich an dieser Stelle nicht, da sie dann kaum Gesprächsanreize in der anschließenden Reflexion bieten. Der dicke Brocken ist also ein Wort, das (bezogen auf die individuelle Rechtschreibentwicklung) besonders schwierig ist. Nach dem Diktat werden beispielhafte Verschriftungen an der Tafel gesammelt. In der folgenden Diskussion können diese Schritte durchlaufen werden:

  1. Bestimmung der Wortart, ggf. mit Ergänzungen (welcher Artikel, welche Personalformen, welche Steigerung etc.).
  2. Danach wird die richtige Schreibung kontrolliert und mit Rückgriff auf die dahinterstehende Rechtschreibstrategie durch die Schüler begründet (Beispiel: Zwerg habe ich mit "g" geschrieben, weil die Mehrzahl "Zwerge" heißt). Dies wird natürlich erst dann richtig spannend, wenn ein Phonem nicht mehr durch das Basisgraphem verschriftet wird. In jüngeren Jahrgängen können aber auch bereits Konsonatenhäufungen oder seltener auftretende Phoneme eine angemessene Schwierigkeit darstellen.
  3. Folgende Übung bietet in diesen jüngeren Jahrgängen die Möglichkeit, den Unterschied zwischen Phonem und Graphem deutlich zu machen: Zähle die Buchstaben, Laute und Silben. Dabei kann man feststellen, das manche Wörter mehr Buchstaben als Laute hat. Dies sind meist die Stolperstellen des Wortes. Auch hier kann man gemeinsam darüber reflektieren, warum das so ist.
  4. Weiterhin kann noch das richtige Lernwörterzeichen bestimmt werden, wenn man mit solchen Zeichen arbeitet (wie z.B. in der Fresch-Methode).

Insgesamt "kostet" diese Übung maximal 5 Minuten und bietet dabei die Möglichkeit, ritualisiert über Rechtschreibung nachzudenken und dabei Regeln, Strategien und deren Anwendung bewusster zu machen.

Abwandlungen

Kennt die Lerngruppe die Methode bereits einige Zeit, kann die Wortauswahl auch durch die Lernenden erfolgen. Diese können dann mögliche Vorschläge mit der Lehrkraft absprechen, die Stolperstellen des ausgewählten Wortes im Vorfeld durchgehen und dann die Moderation des Formats übernehmen. Weiterhin kann der dicke Brocken mit der Zeit vom Wort zum Satz erweitert werden, da sich hier weitere Stolperstellen durch wortübergreifende Rechtschreibstrategien ergeben. Insgesamt bietet die Methode genügend Potential, in allen Grundschulstufen zum Einsatz zu kommen.

 

Florian Emrich

Florian Emrich ist seit 2007 Lehrer an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören der Deutschunterricht und die Arbeit mit digitalen Medien. Seit 2016 hat er zudem die Aufgaben der stellvertretenden Schulleitung übernommen.

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