Schreiben in Tandems

Mit der Methode „Paired Writing“ (Tandemschreiben) kann die Entwicklung der Schreibkompetenz unterstützt werden. Sie wurde im Rahmen eines britischen Forschungsprojekts zur Schreibförderung entwickelt und begleitet den Schreibprozess in allen drei Hauptphasen. Zu Beginn des Tandemschreibens werden leistungsheterogene Tandems gebildet. Die Akteure haben in den Tandems verschiedene Rollen: der schwächere Schüler ist hierbei der Schreiber, der stärkere Schüler der Helfer. Die gesamte Prozedur umfasst sechs Handlungsschritte, in der Helfer und Schreiber klar definierte Aufgaben innehaben:

Ablauf der Methode

Phase Helfer Schreiber
Planen
  • stellt dem Schreiber auf Basis eines Planungsrasters Fragen zum entstehenden Text.
  • notierte Ideen stichwortartig
  • reorganisiert Inhalte in eine kohärente Struktur
  • generiert Inhalte auf Basis der gestellten Fragen
  • reorganisiert Inhalte in eine kohärente Struktur
Entwurf schreiben
  • schreibt ggf. auf
  • überwacht den Verschriftungsprozess
  • greift ein und unterstützt an Stolperstellen
  • bestimmt, welcher Akteur aufschreibt
  • Überführt Notizen in einen fortlaufenden Text
  • diktiert Sätze laut, so dass Helfer sie hören kann
Lesen des ersten Entwurfs
  • liest den Text laut vor
  • wird selbst Adressat des Textes
  • liest den Text noch einmal selbst
Revidieren des Entwurfs
  • Betrachtet den Text unter Berücksichtigung der Kriterien
  • macht Markierungen an den Stellen, die überarbeitet werden sollen
  • diskutiert Änderungen
  • Betrachtet den Text unter Berücksichtigung der Kriterien
  • macht Markierungen an den Stellen, die überarbeitet werden sollen
  • diskutiert Änderungen
  • nimmt Änderungen vor
beste Variante schreiben
  • Erstellung einer Abschrift einer besten Fassung (Überarbeitung)
Feedback
  • Vorstellung des Textes mit einem zweiten Tandem
  • Beurteilung und Besprechung der Texte auf Grundlage der Kriterien

Wirkung der Methode

Modell des Schreibprozesses auf Grundlage der Darstellungen in Phillip 2015

In der o.g. Untersuchung konnte gezeigt werden, dass sowohl Helfer- als auch Schreiberkind ihre Schreibkompetenz durch das geschilderte Vorgehen verbessern konnten. Dies wurde damit begründet, dass bei beiden Akteuren, auch wenn sie verschiedene Rollen innehaben, die gleichen kognitiven Prozesse aktiviert werden. (Phillip 2015, S. 86) Bezogen auf das nebenstehende Modell des Schreibprozesses unterstützt bzw. entlastet das Tandemschreiben den Schreibprozess der Lernenden in mehreren Bereichen: durch das arbeitsteilige Vorgehen bzgl. des Aufschreibens wird einer der Schüler in den graphomotorischen Verschriftungsprozessen entlastet. Hierdurch kann eine wesentlich höhere Konzentration auf die Inhalte und die Struktur des Textes erzielt werden. Zudem erhält der Schreiber als Ideengeber ein stetiges Feedback zu den formulierten Ideen, die dann ggf. noch im Verschriftungsprozess revidiert werden können. Zudem wird im Rahmen des Tandemschreibens auf die akkumulierte linguistische Wissensbasis der Beteiligten zurückgegriffen.

Stolperstellen

Die Zusammenstellung der Schreibpaare ist eine Stolperstelle bei der Durchführung dieser Methode. Die Partner sollten grundsätzlich bereit sein, miteinander zu kooperieren. Um Rollenklarheit sicherstellen zu können, kann den Schülern ein Drehrad mit den Aufgaben der einzelnen Phasen bzw. Rollen an die Hand gegeben werden. Damit haben sie dann stets vor Augen, welches Teammitglied welche Zuständigkeiten hat. Gleichwohl kann es natürlich für einen stärkeren Schüler ungewohnt sein, "nur" eine helfende Rolle einzunehmen. Von Seiten der Lehrkraft sollte dann in der Durchführung darauf geachtet werden, dass der Schreiber dennoch federführend am Schreibprozess beteiligt ist und der Helfer als redigierende Unterstützung agiert. Weiterhin sollte beachtet werden, dass der Erfolg eines Schreibtandem auch davon abhängig ist, ob das weitere Setting der Schreibaufgabe sinnvoll gestaltet ist: sind Schreibkriterien vereinbart und stehen sie transparent als Reflexionshilfe zur Verfügung? Sind darauf aufbauende Planungshilfen vorhanden? Konnten die Schüler ggf. schon beispielhafte Modelle studieren?

Literatur

Philipp, Maik (2015). Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik und der systematischen schulischen Schreibförderung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

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Florian Emrich

Florian Emrich ist seit 2007 Lehrer an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören der Deutschunterricht und die Arbeit mit digitalen Medien. Seit 2016 hat er zudem die Aufgaben der stellvertretenden Schulleitung übernommen.

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